AG Klinische Neuroimmunologie

Die AG Klinische Neuroimmunologie unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Friedemann Paul erforscht schwerpunktmäßig entzündliche und autoimmune Erkrankungen des Nervensystems, wie zum Beispiel die Multiple Sklerose (MS) oder die Neuromyelitis optica (NMO). Dabei führt sie zahlreiche Studien zur Verbesserung sowohl der Diagnostik als auch der Therapie der Multiplen Sklerose und anderer Erkrankungen durch. Inhaltliche Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung sogenannter neuroprotektiver, also nervenzellschützender Therapieansätze und der Weiterentwicklung bzw. Etablierung moderner Untersuchungsverfahren wie MRT (Kernspintomographie), OCT (optische Kohärenztomographie) und Bewegungsanalyse.

Schwerpunkte
Multiple Sklerose (MS)
Die Multiple Sklerose (MS) gilt als häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems und betrifft vor allem junge Erwachsene. Ursächlich liegen Autoimmunprozesse zugrunde; das bedeutet, das körpereigene Immunsystem verkennt das Nervensystem als „fremd“ und leitet eine Entzündungsreaktion ein, in deren Folge Nervenzellen und Nervenzellfortsätze mit ihrer umhüllenden Schutzschicht geschädigt werden. Es können viele unterschiedliche neurologische Symptome wie Lähmungen, Sehstörungen, Mißempfindungen oder Gleichgewichtsstörungen auftreten.
Zu den Betätigungsfeldern der AG gehört die Entwicklung und Etablierung neuer Verlaufs- und Prognosemarker für die MS. Hierzu gehört z. B. die Verbesserung der Möglichkeiten im Bereich der Magnetresonanztomographie (MRT) Bildgebung incl. der Ultra-Hochfeld-MRT oder auch die Etablierung neuer bildgebender Verfahren wie die optische Kohärenztomographie (OCT). Auch die Entwicklung neuer Werkzeuge für die Analyse von Bewegungsstörungen fällt in den Interessensbereich der AG.
Eine Heilung der MS ist bisher nicht möglich, so dass sich die Therapiestrategien in erster Linie auf die günstige Beeinflussungen der Beschwerden und des Krankheitsverlaufs konzentrieren. Dem entsprechend ist ein weiteres Betätigungsfeld der AG die Entwicklung und Durchführung klinischer Studien mit dem Ziel, die therapeutischen Möglichkeiten bei der MS zu verbessern. Hierzu gehören einerseits Medikamentenstudien der Phasen II bis IV, die in Eigenregie oder auch in Zusammenarbeit mit der Industrie durchgeführt werden und andererseits neue nichtmedikamentöse Behandlungsansätze z. B. zur Behandlung von Depressivität und Fatigue bei MS.
Neuromyelitis optica (NMO)
Die Neuromyelitis optica (NMO) galt lange Zeit als Variante der MS. Heute weiß man, dass es sich um ein eigenständiges Krankheitsbild handelt, dem ein anderer Krankheitsmechanismus zugrunde liegt. Typische Manifestationen der NMO sind einerseits ein- oder beidseitige Sehnervenentzündungen, die zu häufig ausgeprägten Sehstörungen führen, und andererseits langstreckige Entzündungen im Rückenmark, die zu schwerwiegenden Lähmungen, Mißempfindungen, Gangstörungen und Blasenentleerungsstörungen führen können.
Ursächlich liegt eine Immunreaktion gegen einen zellulären Wasserkanal, dem Aquaporin-4 zugrunde. Antikörper gegen diesen Wasserkanal lassen sich bei den meisten NMO-Patienten nachweisen. Wie die MS ist auch die NMO bislang nicht heilbar. Aktuelle therapeutische Strategien konzentrieren sich auf möglichst spezifische medikamentöse Eingriffe in das Immunsystem.
Die AG klinische Neuroimmunologie zählt bundesweit und auch international zu den führenden Zentren in der Erforschung der NMO. Es werden einerseits neue diagnostische Ansätze z. B. mit der OCT oder MRT-Bildgebung geprüft und andererseits Therapiestudien durchgeführt. Die AG ist Mitglied der Neuromyelitis optica Studiengruppe (NEMOS) und arbeitet eng mit der US-basierten Guthy Jackson Charitable Foundation (GJCF) zusammen. Weitere Informationen zur Neuromyelitis optica sowie zur NEMOS-Studiengruppe finden Sie hier: http://www.nemos-net.de/, sowie zur GJCF hier: www.guthyjacksonfoundation.org
Susac Syndrom
Das Susac Syndrom wurde erst 1979 erstmalig beschrieben. Es handelt sich um eine noch nicht gut verstandene seltene Erkrankung kleiner Blutgefäße, die vorwiegend das Gehirn, die Netzhaut des Auges und das Innenohr betrifft. Typische Symptome sind Hör- und Sehstörungen sowie vielfältige neurologische Auffälligkeiten wie Merk- und Konzentrationsstörungen, Verhaltensveränderungen, Gleichgewichtsstörungen, Mißempfindungen, Lähmungen und verschiedenes mehr. Der Verlauf der Erkrankung kann recht unterschiedlich sein. Oft kommt es nach einigen Jahren zum Stillstand, wobei bei vielen Patienten eine mehr oder weniger ausgeprägte Behinderung zurückbleibt. Die Behandlung erfolgt in erster Linie mit immunsuppressiven Medikamenten.
Die AG gehört zu den wenigen Zentren in Europa mit einem Forschungsschwerpunkt zum Susac Syndrom. Im Fokus des wissenschaftlichen Interesses stehen vor allem die Erforschung der zum Susac Syndrom führenden Mechanismen, die Diagnosestellung der Erkrankung sowie die Verbesserung der therapeutischen Möglichkeiten.
Die AG ist Gründungsmitglied des European Susac Consortium (EUSAC). Weitere Informationen zum Susac Syndrom sowie zu EUSAC finden Sie hier: http://www.eusac.net/.
Bildgebung/ -analyse
Immense Fortschritte in Technik und Datenverarbeitung führen zu rasanten Weiterentwicklungen im Bereich der Bildgebung des zentralen Nervensystems. Dadurch verbessern und erweitern sich kontinuierlich die Möglichkeiten für die Diagnosestellung und Verlaufsbeurteilung der MS und anderer neuroimmunologischer Erkrankungen. Neben der sich beständig entwickelnden MRT-Bildgebung hat sich in den letzten Jahren vor allem auch die OCT-Bildgebung der Netzhaut in der MS-Forschung etabliert.
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt der AG liegt im Bereich MRT-Bildgebung und Bilddatenanalyse. Die MRT-Untersuchung ist heute in der Diagnostik der MS nicht mehr wegzudenken. Dennoch ist das Potential dieser Technik noch längst nicht ausgeschöpft. Arbeitsgebiete der AG umfassen die Verbesserung sogenannter konventioneller MRT-Techniken, die Entwicklung von automatisierten Algorithmen zur Bildanalyse und die Erprobung und Etablierung neuer Techniken wie die Ultrahochfeld-MRT oder verschiedener Verfahren zum Nachweis von Neurodegeneration.
Ein weiterer Schwerpunkt neben der MRT-Bildgebung ist die OCT-Bildgebung. Da die Netzhaut entwicklungsgeschichtlich zum zentralen Nervensystem gehört, treten bei zahlreichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie der MS oder der NMO charakteristische Veränderungen der Netzhautstruktur auf, die sich mit der OCT nachweisen und im Verlauf beobachten lassen. Eine OCT-Untersuchung ist für den Patienten nicht belastend und innerhalb weniger Minuten durchführbar, eignet sich vor allem zur Beurteilung neurodegenerativer Prozesse und bietet eine ideale Ergänzung zur MRT-Bildgebung. Neben der Anwendung der OCT-Technik betätigt sich die AG insbesondere auch auf dem Gebiet der standardisierten automatisierten Auswertung von OCT-Daten nach etablierten Gütekriterien und bietet u.a. auch einen zentralen Auswertungsservice z. B. im Rahmen von Studien an. Weitere Informationen zum OCT sowie zum Berlin OCT Reading Center finden Sie hier: http://www.neurodial.de
Des Weiteren betätigt sich die AG auf dem Gebiet der automatisierten und damit objektiven Erfassung von Bewegungsstörungen, wie sie auch bei der MS auftreten können. Durch Anwendung handelsüblicher Bewegungserfassungsgeräte in Kombination mit entsprechenden Auswertungsalgorithmen können z. B. Gangstörungen bei MS-Patienten im Detail erfasst, ausgewertet und im Verlauf über die Zeit beobachtet werden.
AG Leitung

Prof. Dr. med. Friedemann Paul
Friedemann Paul ist seit 2008 Leiter der Arbeitsgruppe Klinische Neuroimmunologie am NeuroCure Clinical Research Center an der Charité. Er studierte Medizin in Berlin und ist seit 2003 Facharzt für Neurologie. Friedemann Paul ist seit 2004 an der Charité als Oberarzt tätig. Seit 2010 leitet er die Hochschulambulanz für Neuroimmunologie am Standort Berlin Buch. Als Leiter der Arbeitsgruppe Klinische Neuroimmunologie arbeitet er eng mit Grundlagenforschern, Neurologen und Neuro-Imaging-Forschern bei der Durchführung von klinischen Studien zusammen. Dabei geht es einerseits um die Verbesserung der Diagnose von neuroimmunologischen Krankheiten wie Multiple Sklerose oder Neuromyelitis optica und andererseits um die Untersuchung von neuen therapeutischen Strategien für Krankheiten.

Kooperationen
  • Klinik für Neurologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin (Prof. Dr. M. Endres, Prof. Dr. L. Harms, Prof. Dr. H. Audebert, PD Dr. K. Ruprecht, PD Dr. H. Prüss, PD Dr. C. Finke)
  • Experimental and Clinical Research Center Berlin, Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück Zentrum für Molekulare Medizin (Prof. Dr. T. Niendorf, Dr. C. Infante)
  • Bernstein Center for Computational Neuroscience, Berlin (Prof. J. Haynes)
  • Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Münster (PD Dr. Th. Duning, Dr. I. Kleffner, Prof. Dr. H. Wiendl)
  • Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (Prof. Dr. C. Heesen)
  • Klinik für Neurologie, Heinrich-Heine Universität Düsseldorf (Prof. Dr. O. Aktas, PD Dr. P. Albrecht, Dr. M. Ringelstein, Prof. Dr. H.-P. Hartung)
  • Neurologische Klinik, Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg (Dr. S. Jarius, Prof. Dr. B. Wildemann)
  • Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universität Ulm (Prof. Dr. H. Tumani, Prof. Dr. v. Arnim)
  • Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt neurovaskuläre Erkrankungen, Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, Universitätsklinik der Eberhard-Karls Universität Tübingen (Prof. U. Ziemann)
  • Klinik und Poliklinik für Neurologie, Neurologische Universitätsklinik, Klinikum Carl Gustav Carus, Dresden (PD Dr. T. Ziemssen)
  • Abteilung Neuropathologie, Universitätsmedizin Göttingen (Prof. Dr. W. Brück)
  • Klinik für Neurologie, UniversitätsSpital Zürich (Dr. S. Schippling)
  • Beuth Hochschule für Technik Berlin (Prof. Dr. H. Dietze)
  • Neurology Department, Mayo Clinic, USA (Prof. B. Weinshenker)
  • Department of Neurosciences, Institut d’Investigacions Biomèdiques August Pi I Sunyer (IDIBAPS), Barcelona Spanien (Prof. Dr. P. Villoslada)
  • Department of Neurobiology, Weizman Institute of Science, Rehovot, Israel (Prof. A. Zangen)
  • Technion, Israel Institute of Technology, Haifa, Israel (Prof. Y. Moudim, Dr. S. Mandel)
  • Motognosis GmbH Berlin (A. Brandt)
  • Heidelberg Engineering GmbH, Heidelberg
  • Brainsway, Jerusalem, Israel
  • Hadassah Medical Center, Hebrew University, Jerusalem, Israel (Prof. Dr. T. Ben-Hur, Dr. N. Levin, Dr. N. Raz, Dr. S. Arzi)