TAVAB: Therapie autoantikörper-vermittelter Erkrankungen mit Bortezomib

Beschreibung der Studie:
Trotz der vielgestaltigen Manifestationsformen ähneln sich eine Reihe von Autoimmunerkrankungen darin, dass sie einerseits durch eine Produktion von pathogenetischen Autoantikörpern und zum anderen durch eine (Langzeit-)Therapie bestehend aus Kortikosteroiden und zusätzlichen Immunsuppressiva gekennzeichnet sind. Vor allem die sogenannten langlebigen Plasmazellen, die Autoantikörper produzieren, die die Chronizität der Erkrankungen ausmachen und über Jahre, Jahrzehnte oder auch lebenslang persistieren können, sind jedoch gegenüber den derzeitigen Therapien resistent.

Dies führt dazu, dass eine Heilung dieser Erkrankungen faktisch nicht möglich ist, aus der zur Stabilisierung der Erkrankung notwendigen Langezeitimmunsuppression oft eine Vielzahl gravierender Nebenwirkungen resultiert und ein signifikanter Teil der Patient:innen auf die verfügbaren Therapien nicht ausreichend anspricht.

Daher sind neue therapeutische Ansätze für diese Erkrankungen von höchster medizinischer Notwendigkeit.

Seit einigen Jahren ist der Proteasomeninhibitor Bortezomib mit einem relativ Plasmazellspezifischen Wirkmechanismus zur Therapie des Multiplen Myeloms (Plasmozytoms) zugelassen. Der Wirkmechanismus beruht dabei auf einer Hemmung des Proteasoms. Dies führt speziell in Zellen, die einen hohen Proteinumsatz haben, wie aufgrund ihrer Antikörperproduktion z.B. Myelomzellen oder eben auch die oben genannten Plasmazellen, zum Zelltod. Erste tierexperimentelle Daten zeigen auch bei autoantikörpervermittelten Erkrankungen einen signifikanten therapeutischen Effekt von Bortezomib. Eine systematische Untersuchung im Rahmen einer Studie beim Menschen wurde bisher jedoch noch nicht durchgeführt.

Daher sollten im Rahmen dieser Studie jeweils eine geringe Zahl therapierefraktärer Patient:innen mit Myasthenia Gravis (MG), Systemischem Lupus Erythematosus (SLE) und Rheumatoider Arthritis (RA) mit Bortezomib (Velcade®) zusätzlich zur bestehenden Medikation therapiert werden. Im Verlauf wurden dann die Entwicklung des krankheitsspezifischen Antikörper-Titers, die klinische Aktivität, Auswirkungen auf die Lebensqualität und weitere Parameter analysiert.

Studienleitung: Prof. Falk Hiepe (Rheumatologie, Charité) und Prof. Andreas Meisel (Neurologie, Charité) durchgeführt.

Registrierung: Die Studie ist registriert in clinicaltrials.gov (NCT02102594).

Publikationen:
Kohler, S., M. Losen, T. Alexander, F. Hiepe, and A. Meisel. "Myasthenia Gravis: Subgroup Classifications." Lancet Neurol 15, no. 4 (Apr 2016): 356-7. https://doi.org/10.1016/S1474-4422(16)00033-8. Link

Kohler, S., S. Marschenz, U. Grittner, T. Alexander, F. Hiepe, and A. Meisel. "Bortezomib in Antibody-Mediated Autoimmune Diseases (Tavab): Study Protocol for a Unicentric, Non-Randomised, Non-Placebo Controlled Trial." BMJ Open 9, no. 1 (Jan 28 2019): e024523. Link