Einstein-Professur für Harald Prüß

16.07.2026

Pof. Harald Prüß ist international führend auf dem Gebiet der autoimmunen Enzephalopathien – Erkrankungen des Gehirns, bei denen fehlgeleitete Antikörper Nervenzellen oder deren Oberflächenmoleküle angreifen und damit neurologische oder psychiatrische Symptome auslösen. Seine Forschung an der Charité und am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) fördert die Einstein Stiftung Berlin nun für zwei Jahre im Rahmen einer Einstein-Professur.

Prof. Prüß © DZNE


Der Neurowissenschaftler Harald Prüß zählt national und international zu den prägenden Forschenden auf seinem Gebiet. Mit Arbeiten unter anderem zur Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis, einer autoimmunen Gehirnentzündung, oder zu Demenzen, ausgelöst durch das eigene Immunsystem, hat er maßgeblich zum Verständnis dieser Erkrankungen beigetragen. Seine translationale Forschung bringt Erkenntnisse aus dem Labor direkt zu den Patient:innen und hat die Voraussetzungen dafür geschaffen, diese seltenen Erkrankungen genauer diagnostizieren und Betroffene früher immuntherapeutisch behandeln zu können.

Im Zuge der Einstein-Professur wird Harald Prüß, der Direktor der Abteilung für Experimentelle Neurologie sowie der Sektion Autoimmunität und Neurodegeneration an der Charité und eine Forschungsgruppe am DZNE leitet, die interdisziplinäre Zusammenarbeit mehrerer Berliner Institute fortsetzen. Dabei möchte er insbesondere der Frage nachgehen, wie das Immunsystem den normalen Alterungsprozess des Gehirns beeinflusst: „Mit der Forschung zu Autoimmunmechanismen gegen das Nervensystem ist immer klarer geworden, dass wahrscheinlich auch der normale Alterungsprozess des Gehirns bei uns allen durch das eigene Immunsystem günstig oder ungünstig beeinflusst werden kann“, so der Neurowissenschaftler. Dieses neue Forschungsgebiet möchte Harald Prüß in den nächsten Jahren erschließen und im Idealfall neue Behandlungswege finden, von denen Patienten direkt profitieren.

Zusammen mit seinem Team wird er weiterhin den komplexen Mechanismen nachgehen, mit denen gegen das Nervensystem gerichtete Antikörper vielgestaltige neurologische und psychiatrische Symptome verursachen, seien es autoimmune Demenzen, Hirnentzündungen oder auch Psychosen. Etliche dieser nun zunehmend auch immunologisch verstandenen Erkrankungen wurden bisher oft als rein psychiatrisch, funktionell oder auch unerklärt bezeichnet, verbunden mitunter mit einem Stigma. „Was vor einiger Zeit noch als „Erkrankungen der Seele“ bekannt war, kann in einigen Fällen inzwischen klar als Autoimmunerkrankungen erkannt und behandelt werden“ erklärt Harald Prüß. Eine ähnliche Entwicklung ist im Bereich der Demenzen absehbar – mit Blick auf deren Häufigkeit und dem erwartbaren Anstieg ein gesellschaftlich besonders bedeutsamer Bereich.

Einstein-Professur
Die Einstein Stiftung Berlin fördert mit dem Programm „Einstein-Professur“ gezielt herausragende Wissenschaftler:innen auf international höchstem Niveau. Ziel ist es, Berufungen an Berliner Universitäten zu unterstützen und gleichzeitig den Forschungsstandort Berlin durch die Verhinderung von Abwerbungen zu sichern. Geförderte Wissenschaftler:innen profitieren von einer umfangreichen Ausstattung, die von modernster Labortechnik über qualifiziertes Forschungspersonal bis hin zu Reisemitteln reicht. Investitionen von bis zu 500.000 Euro sind möglich, die Förderung läuft maximal zwei Jahre.

Weitere Informationen

Quelle: Meldung Charité-Universitätsmedizin Berlin

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