Wie das Gehirn langfristig Wissen und Fähigkeiten bildet

18.05.2026

Die DFG fördert den von der HU koordinierten Sonderforschungsbereich „Mechanismen und Störungen der Gedächtniskonsolidierung: Von Synapsen zu Systemen“ für weitere vier Jahre. Partner sind die Charité – Universitätsmedizin und weitere Institutionen.

Von jungen Zebrafinken, die von ihren Vätern das Singen lernen, über Nagetiere, die Muster erkennen, um den Weg zu einer Futterstelle zu finden, bis hin zu Menschen, die sich Wörter in der richtigen Reihenfolge merken – überall stellt sich dieselbe Frage: Wie speichert das Gehirn Informationen und wandelt sie in langfristiges Wissen, Einstellungen und Fähigkeiten um? Dies ist der Schwerpunkt des Sonderforschungsbereichs (SFB)1315 „Mechanismen und Störungen der Gedächtniskonsolidierung: Von Synapsen zu Systemen“, der am Institut für Biologie der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) angesiedelt ist. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat die Förderung um weitere vier Jahre mit insgesamt über 13 Millionen Euro verlängert.

In seiner dritten und letzten Förderphase wird der SFB weiterhin die Auswirkungen von Schlaf, Alterung und Erkrankungen wie Demenz und Alzheimer auf das Gedächtnis untersuchen. „Neu ist, dass wir Stoffwechselprozesse untersuchen und uns in allen Projekten intensiver auf spezifische Lernmuster konzentrieren“, sagt Matthew Larkum, Professor für Neuronale Plastizität an der HU und Sprecher des SFB sowie NeuroCure PI. Wie genau wird beispielsweise das Abrufen einer Wortfolge durch das bereits vorhandene Wissen („Schemata“) beeinflusst und in dieses integriert? In verschiedenen Teilprojekten der Charité – Universitätsmedizin werden VR-Headsets eingesetzt, um Situationen zu simulieren und die Gedächtnisleistung von Kindern und Erwachsenen zu untersuchen. 

Matthew Larkum führt an, dass eine zentrale Erkenntnis der Phasen 1 (2018 bis 2022) und 2 (202 bis 2026) darin besteht, dass die entscheidende Grundlage für das Langzeitgedächtnis eines Ereignisses kurz nach dessen Eintreten gelegt wird: „Dies geschieht innerhalb der ersten 20 bis 30 Minuten. Unsere Grundlagen- und klinischen Forschungsprojekte haben dies immer wieder gezeigt – auch wenn der Lernprozess selbst über Tage, Wochen oder sogar Jahre hinweg weiter gefestigt wird.“

Der SFB erforscht die Gedächtnisbildung bei verschiedenen Spezies, darunter Menschen, Vögel, Fliegen, Nagetiere und Bienen. Er verbindet molekulare, zelluläre, netzwerkbasierte und verhaltensbezogene Ansätze, um die dynamische Entwicklung des Gedächtnisses aufzudecken – vom Hippocampus bis hin zur kortikalen Integration. „Dies führt zu einem außergewöhnlichen interdisziplinären Austausch“, betont Matthew Larkum: „Wir haben festgestellt, dass die für die Gedächtniskonsolidierung entscheidenden molekularen Prozesse sowohl bei Fliegen als auch beim Menschen beobachtet werden können.“

Der SFB wird aus 16 Forschungsprojekten sowie zwei Dienstleistungsprojekten und zwei Transferprojekten bestehen. 47 Prozent der Projektleitenden sind Frauen, 13 Prozent Nachwuchswissenschaftler*innen. Die dritte Förderrunde umfasst Projekte an der HU und an der Charité–Universitätsmedizin Berlin. Außerdem sind mit weiteren Projekten das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin, die Freie Universität Berlin, die Technische Universität Berlin, die Goethe-Universität in Frankfurt/Main, die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, das Universitätsklinikum Bonn, die Universitätsmedizin Greifswald, das Bernstein Center for Computational Neuroscience (BCCN), das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Berlin und Magdeburg, das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) Berlin, das Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN) Magdeburg, das Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin, das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (MPIB) Berlin, das Max-Planck-Institut für Biologische Intelligenz (MPIBI) Seewiesen beteiligt.

Sonderforschungsbereiche

Sonderforschungsbereiche (SFBs) an der Humboldt-Universität zu Berlin setzen in den verschiedenen Fachdisziplinen innovative und strukturbildende Akzente: Sie sind langfristig, in der Regel auf die Dauer von bis zu zwölf Jahren angelegte Forschungseinrichtungen der Hochschulen, in denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen fächerübergreifender Forschungsprogramme zusammenarbeiten.

Quelle: Pressemitteilung HU

Weiterführende Informationen

SFB 1315

DFG Pressemitteilung

Kontakt:

Prof. Dr. Matthew Larkum, Sprecher
Institut für Biologie der Humboldt-Universität zu Berlin
E-Mail: matthew.larkum@hu-berlin.de

Mary Louise Grossman, Koordinatorin
Institute für Biologie der Humboldt-Universität zu Berlin
Email: SFB1315.ifb@hu-berlin.de

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